Einfluss von Marihuana auf den Blutdruck

Immer wieder rückt die mögliche medizinische Wirkung von Marihuana (Cannabis) in den Fokus der Öffentlichkeit. Auch die Forschung interessiert sich dafür, ob die Pflanze bei weitverbreiteten Volkskrankheiten wie der arteriellen Hypertonie (Bluthochdruck) eine Rolle spielen könnte. Die Studienlage zeichnet allerdings ein zwiespältiges Bild: Kurzfristig kann Cannabis den Blutdruck senken – dauerhafter Konsum erhöht jedoch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Warum Bluthochdruck behandelt werden muss

Von Bluthochdruck sprechen Ärztinnen und Ärzte ab dauerhaften Werten von 140/90 mmHg oder höher; bei der Selbstmessung zu Hause gelten bereits Werte ab 135/85 mmHg als erhöht. Optimal sind Werte unter 120/80 mmHg. Dauerhaft erhöhter Druck belastet Herz und Gefäße stark und kann unbehandelt zu Schlaganfall, Herzinfarkt und weiteren schweren Folgeerkrankungen führen. Vor diesem Hintergrund wird immer wieder diskutiert, ob Cannabis den Blutdruck günstig beeinflussen kann.

Kurzfristige Wirkung: THC erweitert die Gefäße

Studien zufolge kann der Konsum von Cannabis den Blutdruck kurzzeitig senken. Wie schnell diese Wirkung eintritt, hängt von der Konsumform ab: Beim Rauchen gelangt der Wirkstoff THC (Tetrahydrocannabinol) über die Lunge direkt in den Blutkreislauf und wirkt innerhalb weniger Minuten. Wird Cannabis dagegen über die Nahrung aufgenommen, muss das THC zunächst den Verdauungstrakt passieren – die Wirkung setzt deutlich verzögert ein.

Nachgewiesen ist, dass THC die Blutgefäße erweitert. Durch diese Gefäßerweiterung (Dilatation) sinkt der Widerstand im Kreislauf, und das Herz muss weniger Pumparbeit leisten. Zudem sinkt die Körpertemperatur um durchschnittlich etwa 0,5 °C. Hinzu kommt die entspannende Wirkung des Konsums: Da Stress ein häufiger Auslöser erhöhter Werte ist, kann dieser Entspannungszustand den Blutdruck zusätzlich günstig beeinflussen. Wie eng Anspannung und Blutdruck zusammenhängen, lesen Sie im Artikel Blutdruck und Stress.

Wichtig zu wissen: Die blutdrucksenkende Wirkung von THC hält nur wenige Stunden an. Danach steigt der Blutdruck wieder auf sein Ausgangsniveau – eine dauerhafte Senkung lässt sich so nicht erreichen. Außerdem beschleunigt THC zu Beginn häufig den Puls und kann beim Aufstehen einen kurzzeitigen Blutdruckabfall mit Schwindel auslösen. Gerade für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist das nicht ohne Risiko.

Langzeitkonsum erhöht das Risiko für Herz und Gefäße

Trotz der kurzfristig blutdrucksenkenden Wirkung zeigt die Forschung: Dauerhafter Marihuanakonsum erhöht das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt. In Langzeitstudien verglichen Forschende langjährige Konsumenten mit Menschen, die nie Drogen genommen hatten. Bei den Langzeitkonsumenten war das Eiweiß Apolipoprotein C-III im Blut deutlich erhöht – ein Eiweiß, das mit erhöhten Blutfettwerten in Verbindung steht. Erhöhte Blutfette gelten wiederum als Mitauslöser von Bluthochdruck, Schlaganfällen und weiteren Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Fazit: Kein Ersatz für eine Blutdrucktherapie

Marihuana kann den Blutdruck kurzfristig senken, ist aber kein geeignetes und kein zugelassenes Mittel gegen Bluthochdruck. Langfristig überwiegen die Risiken für Herz und Gefäße. Wer seine Werte dauerhaft verbessern möchte, erreicht mit bewährten Maßnahmen wie Ernährungsumstellung, Bewegung und Stressabbau deutlich mehr – und sollte die Behandlung immer ärztlich begleiten lassen. Wenn Ihre Messwerte stark schwanken, etwa im Zusammenhang mit Konsum, finden Sie Hintergründe im Beitrag Schwankender Blutdruck.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Messen Sie wiederholt Werte ab 140/90 mmHg (zu Hause ab 135/85 mmHg), sollten Sie das ärztlich abklären lassen – das gilt besonders, wenn Sie regelmäßig Cannabis konsumieren. Bei Werten ab 180/110 mmHg in Verbindung mit Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen oder starken Kopfschmerzen rufen Sie sofort den Notruf 112. Treten solche hohen Werte ohne Symptome auf: Ruhe bewahren, nach einigen Minuten erneut messen und noch am selben Tag ärztlichen Rat einholen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Besprechen Sie Fragen zu Ihrem Blutdruck, zu Medikamenten und zum Thema Cannabis immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.