Woher kann mein hoher Blutdruck kommen?
Die Frage nach den Ursachen von Bluthochdruck lässt sich nicht mit einem Satz beantworten – und ist auch wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt. Vieles hängt davon ab, welche Form der Erkrankung vorliegt. Die Medizin unterscheidet zwischen einer primären (essentiellen) und einer sekundären Hypertonie. Dieser Artikel erklärt beide Formen, zeigt die wichtigsten Risikofaktoren – und sagt Ihnen, wann Sie Ihre Werte ärztlich abklären lassen sollten.
Ab wann ist der Blutdruck überhaupt zu hoch?
Zur Einordnung: Als optimal gelten Ruhewerte unter 120 zu 80 mmHg, als normal Werte von 120 bis 129 zu 80 bis 84 mmHg. Der Bereich von 130 bis 139 zu 85 bis 89 mmHg heißt hoch-normal – noch kein Bluthochdruck, aber ein Bereich, den Sie im Blick behalten sollten. Von Hypertonie spricht man ab 140 zu 90 mmHg. Mediziner unterscheiden drei Schweregrade: Grad 1 (140–159 zu 90–99 mmHg), Grad 2 (160–179 zu 100–109 mmHg) und Grad 3 (ab 180 zu 110 mmHg). Bei der Selbstmessung zu Hause liegen die Grenzen etwas niedriger: Hier gelten Werte ab 135 zu 85 mmHg als erhöht. Und: Liegen oberer und unterer Wert in unterschiedlichen Kategorien, zählt für die Einstufung stets der höhere.
Primäre Hypertonie: die häufigste Form
Rund 90 Prozent aller Menschen mit Bluthochdruck haben eine primäre Hypertonie. Bei ihnen lässt sich keine organische Grunderkrankung nachweisen, die den hohen Druck erklären würde. Die Medizin kennt zwar zahlreiche Faktoren, die das Erkrankungsrisiko erhöhen – die genauen Mechanismen sind aber bis heute nicht vollständig verstanden. Kein einzelner dieser Faktoren führt zwangsläufig zu Bluthochdruck. Vielmehr entscheidet das Zusammenspiel aus Veranlagung, Lebensstil und Umweltfaktoren darüber, warum manche Menschen erkranken und andere nicht.
Genetische Veranlagung
Ein einzelnes „Blutdruck-Gen“ gibt es nach heutigem Wissen nicht. Vielmehr wirken viele genetische Varianten zusammen, um das komplexe Blutdrucksystem stabil zu halten. Dennoch zeigt die Forschung: Wer enge Verwandte wie Eltern, Geschwister oder Großeltern mit Bluthochdruck oder Schlaganfall hat, trägt selbst ein erhöhtes Risiko und sollte seine Werte regelmäßig kontrollieren.
Übergewicht und erhöhtes Bauchfett
Zwischen Übergewicht und hohem Blutdruck besteht ein enger Zusammenhang. Dabei kommt es nicht nur auf die Kilos auf der Waage an: Vor allem das Fett im Bauchraum ist stoffwechselaktiv und begünstigt unter anderem einen erhöhten Insulinbedarf, der die Blutdruckregulation stört. Als Orientierung gilt: Der Bauchumfang, gemessen knapp oberhalb des Nabels, sollte bei Frauen 88 Zentimeter und bei Männern 102 Zentimeter nicht überschreiten. Die gute Nachricht: Schon wenige Kilo weniger können den Blutdruck messbar senken.
Bewegungsmangel
Wer sich dauerhaft wenig bewegt, baut Muskeln ab und lagert Fett ein; Herz, Kreislauf und Lunge arbeiten unökonomisch. Schon kleine Anstrengungen bringen das Herz dann auf Hochtouren. Regelmäßiger Ausdauersport wirkt dem entgegen: Zügiges Gehen, Radfahren, Schwimmen oder lockeres Joggen senken den Blutdruck nachweislich. Vorsicht ist bei intensivem Kraftsport mit Pressatmung geboten – hier kann es zu gefährlichen Blutdruckspitzen kommen. Besprechen Sie ein neues Trainingsprogramm bei bestehendem Bluthochdruck deshalb zunächst mit Ihrem Arzt.
Hoher Salzkonsum und zu wenig Kalium
Die blutdrucksteigernde Wirkung von Kochsalz (Natriumchlorid) geht auf das enthaltene Natrium zurück. Allerdings reagiert nicht jeder Mensch gleich empfindlich: Bei sogenannten salzsensitiven Personen senkt weniger Salz den Blutdruck deutlich, bei anderen kaum. Da sich diese Empfindlichkeit nicht direkt messen lässt, macht hier der Versuch klug. Empfohlen werden höchstens fünf bis sechs Gramm Salz pro Tag. Kalium wirkt als Gegenspieler des Natriums: Es unterstützt die Nieren dabei, überschüssiges Natrium auszuscheiden. Reich an Kalium sind frisches Obst und Gemüse, Trockenfrüchte und Nüsse. Auf genau diesem Prinzip – wenig Salz, viel Gemüse und Obst – beruht auch die sogenannte DASH-Ernährung, deren blutdrucksenkende Wirkung gut belegt ist. Mehr zum Thema lesen Sie im Beitrag Einfluss von Salz auf den Blutdruck.
Rauchen
Nikotin und die beim Rauchen entstehenden freien Radikale greifen die empfindliche Innenauskleidung der Blutgefäße an. Vor allem in den Herzkranzgefäßen und den Beinarterien entstehen dadurch Ablagerungen, die den Blutfluss behindern – der Druck in den Gefäßen steigt. Ein Rauchstopp lohnt sich deshalb in jedem Alter.
Alkohol
Lange hieß es, geringe Mengen Alkohol könnten dem Herzen sogar nützen. Heute ist die Medizin deutlich zurückhaltender: Die schädigende Wirkung überwiegt, eine völlig risikofreie Menge gibt es nach aktuellem Kenntnisstand nicht. Alkohol regt unter anderem die Ausschüttung blutdrucksteigernder Hormone an und kann den Herzschlag beschleunigen. Dauerhaft hoher Konsum trägt wesentlich dazu bei, dass sich ein chronischer Bluthochdruck entwickelt.
Stress und Schlafmangel
Lang anhaltender Stress wirkt über das vegetative Nervensystem direkt auf den Kreislauf und kann den Blutdruck dauerhaft erhöhen. Häufig kommen Schlafstörungen als zusätzlicher Risikofaktor hinzu. Achten Sie deshalb bewusst auf Entspannungsphasen und ausreichend Schlaf. Weitere Anregungen finden Sie im Beitrag Tipps zur Senkung des Blutdrucks.
Übrigens: Die primäre Hypertonie tritt häufig gemeinsam mit Übergewicht, Diabetes Typ 2 und erhöhten Blutfettwerten auf – Mediziner sprechen dann vom metabolischen Syndrom.
Sekundäre Hypertonie: wenn eine Grunderkrankung dahintersteckt
Bei etwa zehn Prozent der Betroffenen lässt sich eine konkrete Ursache für den hohen Blutdruck feststellen. Meist ist eine Erkrankung der Nieren, des Herzens oder der Gefäße verantwortlich, seltener eine Hormonstörung – etwa eine Überfunktion der Nebennieren oder der Schilddrüse. Der Vorteil: Wird die Grunderkrankung behandelt, normalisiert sich häufig auch der Blutdruck.
Auch bestimmte Medikamente – zum Beispiel Kortisonpräparate, einige Schmerz- und Rheumamittel oder die „Pille“ – sowie Drogen können den Blutdruck in die Höhe treiben. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker, wenn Sie einen Zusammenhang vermuten. Setzen Sie verordnete Medikamente aber niemals eigenmächtig ab.
Ein Sonderfall ist Bluthochdruck in der Schwangerschaft: Entwickelt er sich erst nach der 20. Schwangerschaftswoche, ist meist die Schwangerschaft selbst der Auslöser. In vielen Fällen verläuft diese Form harmlos und verschwindet nach der Geburt von allein. Sie kann sich jedoch zu einer ernsten Komplikation wie der Präeklampsie entwickeln und gehört deshalb immer unter regelmäßige ärztliche Kontrolle.
Auch nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe-Syndrom) können erhöhte Blutdruckwerte verursachen. Typische Hinweise darauf sind lautes, unregelmäßiges Schnarchen und ausgeprägte Tagesmüdigkeit.
Wann sollten Sie ärztlichen Rat einholen?
Bluthochdruck verursacht oft über Jahre keinerlei Beschwerden – gerade deshalb sollten Sie wiederholt erhöhte Messwerte immer ärztlich abklären lassen, auch wenn Sie sich gesund fühlen. Nur so lässt sich herausfinden, ob eine behandelbare Ursache dahintersteckt und welche Therapie für Sie sinnvoll ist.
Wichtig für den Notfall: Messen Sie Werte von 180 zu 110 mmHg oder höher und treten zugleich Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, starke Kopfschmerzen, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen auf, rufen Sie sofort den Notruf 112. Bleiben solche Beschwerden aus, gilt: Ruhe bewahren, nach einigen Minuten erneut messen und noch am selben Tag ärztlichen Kontakt aufnehmen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Besprechen Sie auffällige Messwerte und anhaltende Beschwerden immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
- 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension — European Society of Hypertension, Journal of Hypertension 2023
- Patienteninformationen der Deutschen Hochdruckliga — Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL
Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.