Den Blutdruck richtig messen
Wer seinen Blutdruck selbst kontrolliert, kann Veränderungen früh erkennen – vorausgesetzt, die Messung wird richtig durchgeführt. Eine einzelne Messung ist dabei immer nur eine Momentaufnahme, denn der Blutdruck schwankt im Tagesverlauf ganz natürlich. Aussagekräftig werden Ihre Werte erst, wenn Sie mehrfach messen: zu verschiedenen Tageszeiten, über mehrere Tage hinweg, in ruhigen Phasen ebenso wie in Zeiten erhöhter Anspannung. So lässt sich am besten einschätzen, wo Ihr Blutdruck tatsächlich liegt.
Was Sie bei der Messung beachten sollten
Viele Faktoren können das Ergebnis verfälschen. Für zuverlässige Werte gelten folgende Regeln:
- Vor der Messung etwa 5 Minuten ruhig sitzen, nicht direkt nach körperlicher Anstrengung messen
- Aufrecht sitzen, Rücken anlehnen, Beine nicht überschlagen, während der Messung nicht sprechen
- Die Manschette auf Herzhöhe anlegen und den Arm entspannt auflegen
- In der halben Stunde vorher keine Getränke, die den Blutdruck beeinflussen (z. B. Alkohol, Kaffee und schwarzer Tee)
- Vorher nicht rauchen
- Bei einem auffälligen Ergebnis nach 1–2 Minuten Pause erneut messen
Wann und wie oft messen?
Am aussagekräftigsten sind Messungen zu festen Zeiten: morgens nach dem Aufstehen – vor einer eventuellen Medikamenteneinnahme – und noch einmal abends. Messen Sie über mindestens eine Woche und notieren Sie alle Werte, zum Beispiel in einer Blutdrucktabelle. Einzelne Ausreißer sind normal; entscheidend ist der Durchschnitt mehrerer Tage, nicht der einzelne Wert.
Welcher Arm ist der richtige?
Rechts oder links? Viele Menschen haben aufgrund unterschiedlicher Gewebe- und Gefäßstrukturen an beiden Armen leicht unterschiedliche Blutdruckwerte. Unterschiede von bis zu etwa 10 mmHg sind häufig und meist harmlos. Messen Sie anfangs einige Male an beiden Armen: Der Arm mit den höheren Werten ist künftig Ihr Messarm. Zeigt sich dauerhaft eine deutlich größere Differenz zwischen beiden Armen, sollten Sie das ärztlich abklären lassen.
Ab wann sind selbst gemessene Werte erhöht?
Für die Selbstmessung zu Hause gilt eine etwas niedrigere Grenze als in der Arztpraxis: Werte ab 135/85 mmHg gelten bei der Heimmessung bereits als erhöht, in der Praxis ab 140/90 mmHg. Dabei bestimmt immer der höher eingestufte Wert die Kategorie – auch wenn nur der zweite (diastolische) Wert über der Grenze liegt. Messen Sie wiederholt erhöhte Werte, besprechen Sie diese mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wichtig: Zeigt das Gerät Werte ab 180/110 mmHg an und haben Sie gleichzeitig Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen, wählen Sie sofort den Notruf 112. Treten solche Werte ohne Beschwerden auf, bewahren Sie Ruhe, messen Sie nach einigen Minuten erneut und lassen Sie sich noch am selben Tag ärztlich beraten.
Das richtige Blutdruckmessgerät
Ein korrekt funktionierendes Messgerät ist die Grundlage für verlässliche Werte. Die klassische Messung mit Stethoskop und Oberarmmanschette, wie sie in Arztpraxen üblich ist, erfordert allerdings Übung. Für zu Hause liefern moderne elektronische Blutdruckmessgeräte ebenfalls zuverlässige Ergebnisse und sind deutlich einfacher zu bedienen. Viele Blutdruckmessgeräte ordnen den gemessenen Wert zudem automatisch ein. Ob für Sie ein Gerät für den Oberarm oder das Handgelenk besser geeignet ist, lesen Sie in unserem Vergleich Oberarm- oder Handgelenk-Messgerät. Wenn Sie unter Herzrhythmusstörungen leiden, sollten Sie unbedingt ein Gerät verwenden, das solche Störungen erkennt und Sie darauf hinweist.
Worauf Sie beim Kauf achten sollten
Wir empfehlen bewusst keine einzelnen Geräte, sondern nennen die Merkmale, auf die es ankommt — danach lässt sich jedes aktuelle Modell beurteilen:
- Klinisch validiert: Das Gerät sollte nach einem anerkannten Prüfprotokoll validiert und als Medizinprodukt gekennzeichnet sein. Listen geprüfter Geräte veröffentlichen unter anderem die Deutsche Hochdruckliga und die internationale Initiative STRIDE BP.
- Passende Manschettengröße: Der häufigste Messfehler überhaupt. Messen Sie Ihren Oberarmumfang und wählen Sie die Manschette danach — eine zu kleine Manschette täuscht zu hohe Werte vor. Mehr dazu unter häufige Messfehler.
- Arrhythmie-Erkennung: Sinnvoll, wenn bei Ihnen Herzrhythmusstörungen bekannt sind — das Gerät weist dann auf unregelmäßigen Puls hin, der einzelne Messwerte verfälschen kann.
- Speicher und Mittelwert: Geräte, die mehrere Messungen speichern und den Durchschnitt bilden, erleichtern die Beurteilung — denn beurteilt wird nie der Einzelwert, sondern der Verlauf. Festhalten können Sie ihn in unserem Blutdruck-Journal oder mit einer Blutdrucktabelle zum Ausdrucken.
- Oberarm statt Handgelenk: Oberarmgeräte gelten als zuverlässiger. Wann ein Handgelenkgerät trotzdem sinnvoll ist, steht im direkten Vergleich.
Quellen
- 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension — European Society of Hypertension, Journal of Hypertension 2023
- Patienteninformationen der Deutschen Hochdruckliga — Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL
Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.