Tee und Blutdruck: Was belegt ist und was nicht
„Welcher Tee senkt den Blutdruck?“ — die Frage wird oft gestellt, und im Netz kursieren lange Listen mit Antworten. Die ehrliche Auskunft ist unspektakulärer: Für einige Teesorten gibt es Studien, die einen kleinen Effekt auf den Blutdruck nahelegen. Für andere gibt es vor allem Überlieferung. Und für keine gibt es einen Effekt, der es mit den Maßnahmen aufnehmen könnte, die tatsächlich etwas bewirken. Dieser Beitrag ordnet die Studienlage ein, statt Versprechen zu wiederholen.
Das Wichtigste vorweg: Tee ist ein Getränk, kein Arzneimittel. Er ersetzt keine ärztliche Behandlung und keine verordneten Medikamente. Wenn Sie Blutdrucksenker nehmen, setzen Sie sie niemals eigenmächtig ab — auch nicht, wenn sich Ihre Werte gebessert haben.
Was die Studienlage hergibt — und was sie nicht hergibt
Die Wirkung von Lebensmitteln auf den Blutdruck ist schwer zu untersuchen: Die Teilnehmerzahlen sind meist klein, die Beobachtungszeiträume kurz, und wer regelmäßig Tee trinkt, unterscheidet sich oft auch sonst von denen, die es nicht tun. Ergebnisse aus solchen Studien sind Hinweise, keine Beweise. Für die gängigen Sorten sieht es so aus:
- Hibiskus ist am besten untersucht. Mehrere kleinere kontrollierte Studien und Zusammenfassungen davon berichten über eine leichte Senkung im Bereich weniger mmHg bei regelmäßigem Konsum. Das ist die belastbarste Datenlage unter den Teesorten — und selbst sie beruht auf begrenzten Teilnehmerzahlen.
- Grüner und schwarzer Tee werden in Beobachtungsstudien mit etwas günstigeren Herz-Kreislauf-Werten in Verbindung gebracht. Ob der Tee die Ursache ist oder die Lebensweise derer, die ihn trinken, lässt sich daraus nicht sicher sagen.
- Mistel, Weißdorn, Eucommia, Rooibos und ähnliche Sorten werden in Ratgebern häufig genannt. Belastbare Studien zum Blutdruck fehlen hier weitgehend. Traditionelle Verwendung ist kein Wirksamkeitsnachweis.
Zur Einordnung: Selbst im günstigsten Fall bewegt sich der beschriebene Effekt im Bereich weniger mmHg. Die DASH-Ernährung erreicht in kontrollierten Studien ein Vielfaches davon, ebenso regelmäßige Bewegung oder eine Gewichtsabnahme. Wer wirklich etwas verändern will, fängt dort an — nicht in der Teedose.
Vorsicht ist bei zwei Sorten angebracht
Interessanter als die Frage, was hilft, ist bei Tee die Frage, was schadet:
- Süßholzwurzel (Lakritztee) kann den Blutdruck bei regelmäßigem Konsum deutlich erhöhen. Der Effekt ist gut dokumentiert und stärker als jede berichtete Senkung durch andere Tees. Wer erhöhte Werte hat, sollte lakritzhaltige Tees meiden.
- Koffeinhaltige Tees — grüner und schwarzer Tee — heben den Blutdruck kurzfristig an. Bei regelmäßigem Konsum gewöhnt sich der Körper weitgehend daran. Wichtig ist der zeitliche Abstand zur Messung: Wie sich Koffein auf die Werte auswirkt, lesen Sie im Beitrag Kaffee und Blutdruck.
Wenn Sie Tee trinken möchten
Nichts spricht dagegen — Tee ist ein kalorienfreies Getränk, und ausreichend zu trinken tut dem Kreislauf ohnehin gut. Ein paar praktische Hinweise:
- Ungesüßt trinken. Zucker wirkt über Gewicht und Stoffwechsel in die Gegenrichtung.
- Nehmen Sie Kräutertees nicht als Dauerlösung in großen Mengen, ohne das mit Ihrer Praxis zu besprechen — besonders in der Schwangerschaft, bei Nierenerkrankungen oder wenn Sie Medikamente einnehmen. Pflanzliche Inhaltsstoffe können mit Wirkstoffen in Wechselwirkung treten.
- Erwarten Sie keine Messwerte-Wunder. Wenn Sie prüfen möchten, ob sich etwas tut, messen Sie über mehrere Wochen zur gleichen Zeit und notieren Sie die Werte — etwa in unserem Blutdruck-Journal. Ein einzelner niedriger Wert nach einer Tasse Tee sagt nichts.
Was messbar wirkt
Wenn Ihre Werte erhöht sind, führen diese Wege nachweislich weiter — der Beitrag Blutdruck senken ohne Medikamente ordnet sie nach Wirkung:
- Ernährung nach dem DASH-Prinzip
- Weniger Salz
- Regelmäßige Bewegung
- Gewichtsabnahme und maßvoller Alkoholkonsum
Wo Ihre Werte stehen, zeigt die Klassifikation der Blutdruckwerte. Als Faustregel: In der Praxis beginnt Bluthochdruck ab 140/90 mmHg, bei der Heimmessung bereits ab 135/85 mmHg. Liegen Ihre Werte dauerhaft darüber, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären — dann ist die Frage nach dem richtigen Tee ohnehin die falsche.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Die genannten Studienergebnisse beschreiben Durchschnittseffekte in untersuchten Gruppen und lassen keinen Rückschluss auf den Einzelfall zu.
Quellen
- Informationen zu Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen — Deutsche Herzstiftung e. V.
- 2024 ESC Guidelines for the management of elevated blood pressure and hypertension — European Society of Cardiology, European Heart Journal 2024
Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.