Häufige Fehler bei der Blutdruckmessung
Wer seinen Blutdruck zu Hause selbst misst, gewinnt wertvolle Informationen für sich und den behandelnden Arzt – aber nur, wenn die Messung korrekt abläuft. Schon kleine Nachlässigkeiten können die Werte um 10 mmHg und mehr verfälschen. Hier sind die 13 häufigsten Fehler bei der Blutdruckmessung und wie Sie sie vermeiden.
Fehler rund um Arm und Manschette
1. Messung am falschen Arm
Grundsätzlich können Sie rechts oder links messen. Bleiben Sie aber bei einem Arm – und zwar bei dem mit den höheren Werten. Das finden Sie zu Beginn heraus: Messen Sie an drei bis vier Tagen unter gleichen Bedingungen an beiden Armen und vergleichen Sie die Ergebnisse. Künftig messen Sie dann immer am Arm mit den höheren Werten. Zeigt ein Arm dauerhaft deutlich höhere Werte (mehr als 10 bis 15 mmHg Unterschied), sprechen Sie das bei Ihrem Arzt an.
2. Manschette falsch angelegt
Die Manschette darf weder zu fest noch zu locker sitzen und nicht zu hoch am Oberarm liegen. Richtig sitzt sie, wenn der Sensor die Innenseite des Oberarms erfasst und der untere Manschettenrand etwa 2,5 cm über der Ellenbeuge endet. Bei einem Handgelenkgerät muss der Sensor auf der Innenseite des Handgelenks aufliegen. Welche Gerätevariante für Sie die bessere ist, lesen Sie im Beitrag Oberarm- oder Handgelenk-Messgerät.
3. Manschette zu klein
Menschen mit kräftigem Oberarm benötigen eine größere Manschette – die Standardgröße reicht dann nicht aus und liefert zu hohe Werte. Prüfen Sie die Größenangabe auf der Manschette und messen Sie im Zweifel Ihren Armumfang. Apotheke oder Sanitätshaus beraten Sie dazu gern.
4. Manschette über der Kleidung
Idealerweise messen Sie direkt auf der Haut. Ein dünnes Hemd am Oberarm ist noch akzeptabel, dickere Kleidung verfälscht das Ergebnis jedoch deutlich. Das Handgelenk sollte immer unbedeckt sein. Wichtig: Ein hochgeschobener Ärmel darf den Arm nicht einschnüren – das staut das Blut und verändert die Werte.
Fehler bei Haltung und Armposition
5. Falsche Sitzposition
Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl mit Lehne und lehnen Sie sich leicht an. Beide Füße stehen flach auf dem Boden – die Beine weder baumeln lassen noch übereinanderschlagen. Bewegen Sie sich während der Messung möglichst nicht.
6. Arm zu niedrig oder zu hoch
Die Manschette muss sich auf Herzhöhe befinden, der Arm liegt entspannt auf. Bei der Oberarmmessung ruht der Unterarm auf dem Tisch, bei der Handgelenkmessung stützen Sie das Handgelenk leicht erhöht ab, etwa auf einem Kissen. Liegt der Messpunkt unterhalb der Herzhöhe, fallen die Werte zu hoch aus – liegt er darüber, zu niedrig.
Fehler beim Zeitpunkt der Messung
7. Messung direkt nach einer Mahlzeit
Nach dem Essen verändert sich der Blutdruck vorübergehend. Messen Sie deshalb vor der Mahlzeit oder frühestens etwa eine Stunde danach.
8. Messung nach der Medikamenteneinnahme
Blutdrucksenker – und auch manche andere Medikamente – beeinflussen die Werte. Für aussagekräftige Kontrollwerte messen Sie am besten morgens vor der Tabletteneinnahme. So sehen Sie und Ihr Arzt, wie gut die Behandlung über den Tag hinweg wirkt.
9. Messung nach Koffein
Kaffee, Cola, schwarzer und grüner Tee sowie Energydrinks enthalten Koffein, das den Blutdruck vorübergehend erhöhen kann. Warten Sie nach dem Konsum etwa 30 bis 60 Minuten, bevor Sie messen. Mehr dazu erfahren Sie im Artikel Kaffee und Blutdruck.
10. Messung nach Alkohol
Alkohol verändert die Blutdruckwerte auf unterschiedliche Weise – zunächst oft senkend, später eher steigernd. Verzichten Sie vor der Messung darauf.
11. Messung mit voller Blase
Eine volle Harnblase kann den Blutdruck spürbar erhöhen. Gehen Sie vor der Messung zur Toilette.
Fehler durch Unruhe und Ablenkung
12. Sprechen während der Messung
Ein Gespräch – auch am Telefon – erhöht den Blutdruck messbar, weil Sprechen und Zuhören den Kreislauf aktivieren. Messen Sie in Ruhe und schweigend.
13. Hektik vor und während der Messung
Stress, Hektik und innere Unruhe treiben den Blutdruck naturgemäß nach oben. Kommen Sie vor der Messung mindestens fünf Minuten im Sitzen zur Ruhe. Empfehlenswert ist außerdem eine zweite Messung nach ein bis zwei Minuten Pause – notieren Sie beide Werte oder deren Mittelwert. Warum Anspannung die Werte so stark beeinflusst, erklärt der Beitrag Blutdruck und Stress.
Trotz korrekter Messung erhöhte Werte – was nun?
Bei der Selbstmessung zu Hause gelten bereits Werte ab 135/85 mmHg als erhöht – die Grenze liegt hier niedriger als bei der Praxismessung (140/90 mmHg). Dabei genügt es, wenn einer der beiden Werte seine Grenze erreicht oder überschreitet: Der höher eingestufte Wert bestimmt die Kategorie. Messen Sie über mehrere Tage wiederholt erhöhte Werte, lassen Sie das ärztlich abklären – auch dann, wenn Sie sich völlig gesund fühlen.
Wichtig: Zeigt das Gerät Werte ab 180/110 mmHg und treten zugleich Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen, starke Kopfschmerzen oder Lähmungserscheinungen auf, rufen Sie sofort den Notruf 112. Ohne solche Symptome gilt: Ruhe bewahren, einige Minuten warten, erneut messen – und bei weiterhin so hohen Werten noch am selben Tag ärztlichen Rat einholen.
Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Besprechen Sie auffällige oder dauerhaft erhöhte Messwerte immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Quellen
- 2023 ESH Guidelines for the management of arterial hypertension — European Society of Hypertension, Journal of Hypertension 2023
- Patienteninformationen der Deutschen Hochdruckliga — Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL
Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.