Einfluss des Alters auf den Blutdruck

Lange hielt sich der Glaube, ein erhöhter Blutdruck sei im Alter normal oder sogar nützlich: Wenn die Gefäße verkalken, brauche der Körper mehr Druck, um die Organe ausreichend zu durchbluten. Diese Vorstellung ist überholt. Auch für ältere Menschen gilt: Dauerhaft erhöhter Blutdruck schädigt Herz, Nieren, Gehirn und Blutgefäße – und gehört in ärztliche Behandlung.

Das Thema betrifft viele: In Deutschland hat etwa jeder zweite Mensch über 60 einen zu hohen Blutdruck, und ein erheblicher Teil der Betroffenen weiß nichts davon oder wird nicht behandelt. Dabei lässt sich Bluthochdruck heute gut in den Griff bekommen. Gerade im höheren Alter lohnt sich das, um Folgen wie Schlaganfall, Herzschwäche oder Nierenschäden zu vermeiden.

Warum der Blutdruck im Alter häufig steigt

Die Blutdruckwerte entwickeln sich nicht bei allen Menschen gleich. Eine pauschale Aussage, wie stark der Blutdruck im Laufe des Lebens steigt, ist deshalb nicht möglich. Bei der Mehrheit zeigen sich mit den Jahren jedoch typische Veränderungen: Die großen Arterien verlieren an Elastizität und werden steifer – vor allem die herznahen Gefäße. Sie können den Druckstoß des Herzschlags dann schlechter abfedern.

Die Folge: Der obere (systolische) Wert steigt, während der untere (diastolische) Wert oft gleich bleibt oder sogar leicht sinkt. Der Abstand zwischen beiden Werten – der sogenannte Pulsdruck – wird dadurch größer. Warum dieser Abstand ein wichtiger Hinweis auf die Gefäßgesundheit ist, erklärt unser Artikel Pulsdruck verstehen.

Welche Grenzwerte gelten – auch im Alter

Wichtig zu wissen: Die Grenzwerte für Bluthochdruck gelten unabhängig vom Alter. Es gibt keinen „Altersbonus“, bei dem höhere Werte automatisch unbedenklich wären. Zur Orientierung:

Dabei bestimmt immer der höher eingestufte Wert die Kategorie – auch wenn nur der obere Wert erhöht ist, wie es im Alter häufig vorkommt. Bei der Selbstmessung zu Hause gelten etwas niedrigere Grenzen: Hier sprechen Werte ab 135/85 mmHg für erhöhten Blutdruck. Ob und ab wann eine Behandlung sinnvoll ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell – gerade bei älteren Menschen werden Therapieziele an die Gesamtsituation angepasst.

Veränderte Lebensweise im Alter als Risikofaktor

Das Älterwerden geht oft mit Veränderungen im Alltag einher, die den Blutdruck zusätzlich in die Höhe treiben können:

Eine Ernährung mit viel Salz und ungünstigen Fetten fördert hohen Blutdruck. Hinzu kommt: Im Alter treten häufiger Erkrankungen auf, etwa hormonelle Störungen oder Osteoporose. Einige der dagegen eingesetzten Medikamente – zum Beispiel Kortisonpräparate oder bestimmte Schmerzmittel – können bei längerer Einnahme den Blutdruck steigen lassen. Sprechen Sie in solchen Fällen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, statt Medikamente eigenmächtig abzusetzen.

Was Sie selbst für Ihren Blutdruck tun können

Für Ältere wie Jüngere gelten dieselben Grundregeln, mit denen sich der Blutdruck oft spürbar senken lässt:

Reichen diese Maßnahmen nicht aus, um den Blutdruck zu normalisieren, ist eine medikamentöse Behandlung sinnvoll. Moderne Blutdrucksenker sind auch für ältere Menschen gut verträglich und werden schrittweise angepasst.

Wann Sie ärztlichen Rat einholen sollten

Messen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig, besonders ab dem mittleren Lebensalter. Liegen Ihre Werte wiederholt bei 140/90 mmHg oder darüber (zu Hause: ab 135/85 mmHg), sollten Sie das ärztlich abklären lassen.

Ein Notfall liegt vor, wenn Werte von 180/110 mmHg oder mehr zusammen mit Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen, starken Kopfschmerzen oder Lähmungserscheinungen auftreten – rufen Sie dann sofort den Notruf 112. Zeigt das Messgerät solche Werte ohne Beschwerden an: Ruhe bewahren, einige Minuten warten, erneut messen und noch am selben Tag ärztlichen Rat einholen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Bitte besprechen Sie auffällige Blutdruckwerte immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Quellen

Zuletzt geprüft: August 2026. Dieser Beitrag informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche Beratung — bei Fragen zu Ihren Werten wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.