Blutdruck bei Hitze: Warum der Sommer die Werte verändert

Viele Menschen, die regelmäßig ihren Blutdruck messen, machen im Sommer eine überraschende Beobachtung: Bei anhaltender Hitze fallen die Werte oft niedriger aus als in der kalten Jahreszeit. Das ist in der Regel kein Messfehler, sondern eine normale Reaktion des Körpers auf hohe Temperaturen. Trotzdem lohnt es sich, genauer hinzusehen – denn was für die einen angenehm ist, kann bei anderen zu Schwindel, Schwäche oder sogar Stürzen führen. Dieser Artikel erklärt, was Hitze mit Ihrem Kreislauf macht, wer besonders aufpassen sollte und wie Sie sicher durch heiße Tage kommen.

Was Hitze im Körper bewirkt

Der Körper hält seine Kerntemperatur konstant bei rund 37 Grad. Steigt die Außentemperatur, muss er Wärme loswerden – und dafür nutzt er vor allem zwei Mechanismen. Erstens weitet er die Blutgefäße in der Haut, damit mehr warmes Blut an die Körperoberfläche gelangt und Wärme nach außen abgegeben werden kann. Zweitens beginnt er zu schwitzen, denn verdunstender Schweiß kühlt die Haut.

Beide Mechanismen wirken sich unmittelbar auf den Blutdruck aus. Weit gestellte Gefäße bedeuten weniger Widerstand im Kreislauf: Der Druck, mit dem das Blut gegen die Gefäßwände gepresst wird, sinkt. Gleichzeitig verliert der Körper durch das Schwitzen Flüssigkeit und Salz. Wird dieser Verlust nicht durch ausreichendes Trinken ausgeglichen, nimmt das zirkulierende Blutvolumen ab – auch das senkt den Druck. Deshalb liegen die Messwerte vieler Menschen im Sommer spürbar unter ihrem Winterniveau. Diese jahreszeitliche Schwankung ist gut bekannt und bei gesunden Menschen meist harmlos.

Bei Hitze weiten sich die Hautgefäße, um Wärme abzugeben – dadurch sinkt der Blutdruck.

Wer bei Hitze besonders aufpassen sollte

Nicht jeder Kreislauf steckt hohe Temperaturen gleich gut weg. Besonders aufmerksam sollten folgende Gruppen sein:

Richtig messen an heißen Tagen

Gerade im Sommer lohnt es sich, den Blutdruck häufiger zu kontrollieren – und zwar immer unter möglichst gleichen Bedingungen: nach einigen Minuten Ruhe, im Sitzen, ohne vorherige körperliche Anstrengung. Wie das im Detail funktioniert, zeigt unsere Anleitung zum richtigen Blutdruckmessen. Notieren Sie die Werte mit Datum und Uhrzeit, damit Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Verläufe erkennen kann.

Zur Einordnung: Bei der Heimmessung gilt ein dauerhafter Durchschnitt ab 135/85 mmHg als Hinweis auf Bluthochdruck, optimal sind Werte unter 120/80 mmHg. Sinken Ihre Werte im Sommer deutlich unter Ihr gewohntes Niveau oder treten Beschwerden wie Schwindel und Benommenheit auf, ist das ein Grund, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen – nicht, um sich Sorgen zu machen, sondern weil die Behandlung möglicherweise an die Jahreszeit angepasst werden kann.

Im Sommer gilt: häufiger messen, immer unter gleichen Bedingungen – und die Werte notieren.

Praktische Tipps für heiße Tage

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Bei anhaltendem Schwindel, wiederholter Benommenheit, Ohnmacht oder Stürzen sollten Sie sich ärztlich vorstellen. Das Gleiche gilt, wenn Ihre selbst gemessenen Werte über mehrere Tage klar unter Ihrem üblichen Bereich liegen – dann lässt sich prüfen, ob die Therapie für die warme Jahreszeit angepasst werden sollte.

Auch das andere Extrem bleibt im Sommer wichtig: Messen Sie 180/110 mmHg oder mehr und haben Sie zugleich Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot, Sehstörungen oder Lähmungserscheinungen, rufen Sie sofort den Notruf 112. Ohne solche Symptome gilt: einige Minuten ruhen, erneut messen und die Werte zeitnah ärztlich abklären lassen.

Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung, Diagnose oder Behandlung. Besprechen Sie auffällige Messwerte und alle Fragen zu Medikamenten immer mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.